Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 040/2016 - 30.11.2016

Ausbildungsreport der DGB-Jugend NRW: Jeder zweite Auszubildende fühlt sich stark belastet

Die DGB Jugend NRW hat heute ihren Ausbildungsreport 2016 vorgestellt. „In diesem Jahr haben wir uns schwerpunktmäßig mit dem Thema psychische Belastungen befasst“, erklärt Mina Schellschläger, Jugendbildungsreferentin der DGB-Region Südwestfalen. Dazu seien über 5.400 junge Frauen und Männer aus NRW schriftlich befragt worden. „Das Ergebnis unserer Befragung ist: Jeder zweite Auszubildende fühlt sich in mindestens einem Bereich in hohem oder sehr hohem Maße belastet.“ Insbesondere Leistungs- und Zeitdruck seien ein zentraler Belastungsfaktor für Auszubildende, so Schellschläger. Dahinter folgten lange Fahrtzeiten und die Lage der Arbeitszeiten bzw. Schichtdienst. „Jeder achte Auszubildende klagt zudem über Probleme mit Kollegen und Vorgesetzen.“

Belastende Bedingungen in der Ausbildung wirkten sich unmittelbar auf das Wohlergehen der Jugendlichen aus, so Schellschläger. „Unsere Untersuchung zeigt: Je stärker die empfundenen Belastungen, desto höher der Anteil der Azubis, die unter körperlichen und psychischen Beschwerden leiden. Sie fühlen sich laut eigenen Angaben wesentlich häufiger schwach und krankheitsanfällig und sind am Ende des Ausbildungstages öfter erschöpft als die gering Belasteten.“ Mehr als ein Drittel der betroffenen Auszubildenden denke zudem immer oder häufig über einen Ausbildungsabbruch nach. „Das sind viermal so viele wie in der Gruppe der Auszubildenden, die sich keinen starken Belastungen ausgesetzt sehen.“

Die DGB-Jugend sei sich sicher, dass das beste Mittel gegen psychische Belastungen eine Verbesserung der Ausbildungsqualität insgesamt sei. „Aus unserer Befragung geht hervor: Die Ausbildungsberufe, bei denen die Qualität der Ausbildung als besonders hoch beschrieben wird, sind gleichzeitig die Berufe, bei denen sich die Auszubildenden am wenigsten psychisch belastet fühlen.“ Das gelte zum Beispiel für Industriemechaniker und Mechatroniker. Umgekehrt fühlten sich Auszubildende in Berufen wie Friseure, zahnmedizinische Fachangestellte und Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk nicht nur besonders schlecht betreut und behandelt, sondern auch stark psychisch belastet.

„Die DGB-Jugend NRW appelliert daher einerseits an die Betriebe und die Kammern: Wir brauchen endlich eine substantielle Verbesserung der Ausbildungsqualität in den Berufen, die seit Jahren die letzten Plätze in unserem Report belegen.“

Darüber setzt sich die Gewerkschaftsjugend für die Modernisierung des Berufsbildungsgesetzes ein. Dazu hatte bereits im April die IG Metall Jugend Siegen mehr als 500 Auszubildende zu einer Podiumsdiskussion in die Siegerlandhalle eingeladen. „Wir brauchen eine bessere Regelung der Ausbildungszeiten und eine volle Anrechnung der Berufsschulzeiten, um den Jugendlichen mehr Gelegenheit zur Erholung zu geben.“


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