Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 046 - 29.11.2012

Neue DGB-Statistik enthüllt: Viele Vollzeitbeschäftigte im Hochsauerlandkreis erhalten nur Niedriglohn

14.472 Vollzeitkräfte im Hochsauerlandkreis (HSK) verdienen miserabel. Sie arbeiteten nach einer aktuellen Erhebung des DGB für einen Niedriglohn. Im Jahr 2010 war bereits mehr als jeder fünfte Vollzeitbeschäftigte (21,3 Prozent) im Kreis betroffen. Auszubildende wurden hierbei nicht einmal mitgezählt. Selbst qualifizierte Arbeitskräfte erhalten oftmals nur einen mickrigen Lohn.

Erstmals legt der DGB regionale Daten zum Niedriglohnsektor vor. Konkret lag die Niedriglohnschwelle 2010 in allen westdeutschen Ländern bei einem Monatsbrutto von 1.890 Euro. Im HSK zählten zu der Zeit bereits 16,3 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten mit Berufsabschluss zu den Niedrigverdienern. Dies lag leicht über dem Durchschnitt der alten Bundesländer, wo 16 Prozent der Erwerbstätigen in Vollzeit und mit Ausbildung unter der Niedriglohnschwelle arbeiteten. Auch Vollzeitbeschäftigte mit Fach- und Hochschulabschluss sind im HSK mit 5,5 Prozent überproportional vom geringen Verdienst betroffen. In den alten Bundesländern waren dies 4,2 Prozent.

„Dieses hohe Niedriglohnrisiko von qualifizierten Arbeitskräften passt nicht zu den Klagen von Arbeitgebern über Fachkräftemangel“, sagt Wolfgang Zeh, Vorsitzender des heimischen DGB-Kreisverbandes. Es sei vielmehr ein Indiz dafür, dass Beschäftigte teils im erlernten Beruf keinen Job fänden oder nicht qualifikationsgerecht vergütet würden. Trotz Berufsabschluss steckten sie oftmals in Jobs für Un- oder Angelernte, so Zeh weiter. Je länger diese Situation andauere, desto weniger wert sei die erworbene Qualifikation. Da müsse man sich zudem nicht wundern, wenn etliche junge Menschen aus der Region abwanderten.

Noch miserabler sei die Entlohnung für viele ohne Berufsabschluss. Mehr als 23,8 Prozent der Geringqualifizierten im HSK zählten im Jahr 2010 nach der DGB-Auswertung zugleich zu den Geringverdienern. Das Risiko, als Vollzeitbeschäftigte/r einen Niedriglohn zu erhalten, ist für Beschäftigte ohne Berufsabschluss deutlich höher als für Qualifizierte. Insbesondere im Dienstleistungsgewerbe sei das Risiko einer schlechten Bezahlung für Qualifizierte wie Beschäftigte ohne Berufsabschluss überdurchschnittlich hoch. Nach Einschätzung des DGB-Kreisverbandes HSK haben Menschen, die wenig verdienen, oftmals auch ein instabiles Arbeitsverhältnis und ein hohes Entlassungsrisiko. Die beruflichen Aufstiegschancen für Niedriglohnverdiener seien hingegen ungünstiger als in vielen anderen Industrieländern. „Wer behauptet, Niedriglöhne sind Einstiegslöhne, der liegt falsch. Die Chancen, in besser bezahlte Jobs aufzusteigen, sind hierzulande relativ gering. Viel häufiger als der Einstieg in besser bezahlte Tätigkeiten, ist eine Verfestigung der Niedriglohnfalle“, betont Wolfgang Zeh

Der hohe Niedriglohnsektor ist nach Einschätzung des DGB auch eine Zeitbombe für künftige Altersarmut. Wer über einen längeren Zeitraum wenig verdient, wird künftig verstärkt von Altersarmut bedroht sein. Hinzu kommt, dass private Altersrücklagen bei niedrigem Einkommen so selten sind, dass das soziale Problem der Altersarmut dadurch kaum gemindert werden kann.