Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 020/2018 - 02.08.2018

DGB-Region Südwestfalen: Kinderarmut lässt sich bekämpfen mit mehr Tarifbindung und einem sozialen Arbeitsmarkt

Degenhardt fordert dauerhafte Beschäftigung zu fairen Bedingungen

Das Thema Kinderarmut ist auch für Gewerkschaften wichtig. Zwar sind in Südwestfalen die Zahlen nicht ganz so dramatisch wie im Ruhrgebiet, wo in neun Ruhrgebietsstädten mehr als ein Viertel der unter 18-Jährigen in Armut lebt, doch nimmt der heimische DGB, zuständig für die Kreise Siegen-Wittgenstein, Olpe und den Hochsauerlandkreis, die aktuellen Zahlen zum Anlass auf einige Aspekte hinzuweisen. Nach Statistiken der Bundesagentur für Arbeit lebten im Jahresdurchschnitt 2017 im Kreis Siegen-Wittgenstein 12 Prozent der Kinder unter 18 Jahren in Familien, die Hartz IV erhalten. Im Hochsauerlandkreis waren es 10 Prozent und im Kreis Olpe 8 Prozent. Damit ist Olpe im Landesdurchschnitt eine von vier Städten, wo weniger als jedes 10. Kind in einer Familie mit Hartz-IV-Bezug lebt. Der Landesdurchschnitt liegt bei 18,6 Prozent. Am dramatischsten ist die Situation in Gelsenkirchen mit knapp 40 Prozent.

Auch wenn die Situation vor Ort sich nicht ganz so dramatisch darstellt, sieht der südwestfälische DGB-Chef, Ingo Degenhardt Handlungsbedarf in der Region: „Die Langzeitarbeitslosigkeit der Eltern ist eine Hauptursache von Kinderarmut. In ungefähr drei Viertel der betroffenen Familien ist mindestens ein Elternteil bereits mehr als ein Jahr ohne Arbeit. Es ist von zentraler Bedeutung arbeitslosen Eltern einen Arbeitsplatz anzubieten - eine dauerhafte Beschäftigung zu fairen Bedingungen“, sagt Ingo Degenhardt.
Der Gewerkschafter meint damit die geplante Einführung eines sozialen Arbeitsmarktes und erhofft sich davon erhebliche Erleichterungen für die betroffenen Familien. Für Degenhardt ist auch ganz klar, dass das Programm da ansetzen muss, wo die Not am größten ist, doch müssen auch die Regionen profitieren können, die eine niedrigere Langzeitarbeitslosigkeit haben. Die aktuell vorgelegten Zahlen der Agentur für Arbeit Siegen zeigen unter anderem für die beiden Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe einen leichten Rückgang der Langzeitarbeitslosigkeit im Rechtskreis SGB II. Sie ist im Vergleich zum Vormonat um 71 Personen gesunken und liegt nunmehr bei 2.731. Das entspricht einer Quote von 45,2 Prozent. Im Juli 2017 lag die absolute Zahl noch bei 3.227. Für den Hochsauerlandkreis stellt sich im SGB II die Situation folgendermaßen dar: Aktuell sind 1.852 Menschen langzeitarbeitslos, das ist ein Rückgang zum Vormonat um 38. Somit sind derzeit 50,2 Prozent von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen. Im Juli 2017 waren es insgesamt 2156 langzeitarbeitslos gemeldete. Degenhardt: „Das ist eine positive Entwicklung und als solche zu würdigen, doch angesichts dieser Zahlen, sind weitere Anstrengungen von Nöten. Jede betroffene Familie ist eine zu viel.“

Zum aktuellen Gesetzesentwurf für einen sozialen Arbeitsmarkt fordert der DGB Nachbesserungen. Ziel müsse es sein, unbefristete, sozialversicherungspflichtige und tariflich bezahlte Arbeit zu schaffen. „Um Kinderarmut und Armut insgesamt zu bekämpfen gibt es mehrere Wege. Zum einen muss die Langzeitarbeitslosigkeit weiter und konsequent reduziert und die prekäre Arbeit endlich gestoppt werden und zum anderen brauchen wir die Ausweitung der Tarifbindung.“

 

 

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