Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 06/2016 - 26.01.2016

„Ich verabschiede mich nicht.“

Werner Leis tritt mit einem leidenschaftlichen Plädoyer für Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit von der hauptamtlichen Gewerkschafter-Bühne ab.

„Ich verabschiede mich nicht.“ Diese Worte von Werner Leis, mit denen er als hauptamtlicher Regionsgeschäftsführer der DGB-Region Südwestfalen abtrat, spiegelten keineswegs trotzige Unflätigkeit. Vielmehr dürften die Gäste beim Jahresempfang des DGB Südwestfalen im Eichener Hamer in Eichen erfreut zur Kenntnis genommen haben, dass bei Werner Leis Ruhestand im Wortsinn nicht zu erwarten ist.
Unter den rund 130 Weggefährten und Offiziellen aus ganz Südwestfalen würdigte eine ganze Reihe von Rednern den Einsatz des Gewerkschafters für gute Arbeit, für die wirtschaftliche Entwicklung und für ein solidarisches Miteinander in der Region. Da die Person Werner Leis im Mittelpunkt stand, ging es nicht ohne das Politikum Nummer Eins, das Thema Flüchtlinge, die politische Stimmung und den menschlichen Umgang mit ihnen.

Werner Leis dankte den Anwesenden. Seine Arbeit sei nur möglich gewesen „dank Ihrer aller Hilfe, dank Ihrer Solidarität“, dank der gemeinsamen Stärke. Aus der leitete er den Appell ab, an der öffentlichen Diskussion teilzunehmen und die Diskussion zu versachlichen, etwa wenn Ereignisse wie die Silvesternacht in Köln Ressentiments gegen Ausländer befeuerten. „Lasst den fremdenfeindlichen Drachen, der aus der Höhle zu kommen droht, eingesperrt!“ Leis erntete Standing Ovations.

Auch Leis‘ Nachfolger Ingo Degenhardt, der beim Jahresempfang offiziell in sein Amt eingeführt wurde, äußerte sich überzeugt, dass Deutschland die Herausforderungen bewältigen könne, die die wachsende Zahl geflüchteter Menschen mit sich bringe. Inakzeptable Taten einzelner oder auch einzelner Gruppen von Flüchtlingen dürften nicht dazu führen, dass die positive Stimmung kaputtgeredet werde.

Festredner Andreas Meyer-Lauber, Vorsitzender des DGB-Bezirks NRW, meinte, es könne nicht sein, dass das reiche Europa die Flüchtlinge, die zu uns kämen, nicht bewältigen könne. Er sei froh, dass Arbeitgeber und Gewerkschaften zusammenstünden, wenn es um die Kernelemente des gesellschaftlichen Zusammenhalts gehe, also um Menschenrechte und Bürgerrechte. „Hände weg von Schengen, Hände weg vom Euro! Wir brauchen mehr und nicht weniger Integration“, appellierte er.

Politisches Gespür und fachliche Kompetenz gleichermaßen bescheinigte Meyer-Lauber Werner Leis. Er sei zur Institution in Südwestfalen geworden, habe erstklassige Gewerkschaftsarbeit geleistet, für gute Arbeit, für starke Gewerkschaften. Meyer-Laubers Fazit: „Du warst für uns ein Glücksfall.“

Willi Brase, SPD-Bundestagsabgeordneter und Leis‘ Vorgänger als DGB-Geschäftsführer, sagte: „Ich durfte Werner eine sehr lange Wegstrecke begleiten.“ Dabei hätten sie einige schwere Phasen gemeinsam gemeistert. Und: Ohne Werner Leis wäre es ihm sehr schwer gefallen, sein Amt als Bundestagsabgeordneter mit dem des DGB-Chefs zu vereinen.

Andreas Müller, Landrat von Siegen-Wittgenstein, und Bürgermeister Steffen Mues, lobten das gute Miteinander des DGB mit dem Kreis bzw. der Stadt. Bildung habe ihm besonders am Herzen gelegen: Leis‘ Engagement sei weit über die Gewerkschaftsarbeit hinausgegangen, habe sich beispielsweise im Siegener Bündnis für Demokratie niedergeschlagen, in dem er einer von zwei Sprechern war. Für die Öffnung des DGB über Themen rund um die Arbeit hinaus dankte auch Horst Löwenberg vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Werner Leis.

Leis‘ gewerkschaftliche Mitstreiter bescheinigten Leis eine besonders ausgeprägte Kollegialität. Seine Tür sei immer offen gewesen, sagte Andree Jorgella von IG Metall Siegen, aber hast einen entscheidenden Fehler: „Du kannst nicht Nein sagen.“ Jürgen Weiskirch von ver.di Siegen-Olpe nannte Werner Leis einen „fleißigen Arbeiter mit gesundem Humor, Charme, Großzügigkeit, Herzlichkeit, unverwüstlicher Ausdauer.“

Leis‘ Nachfolger kommt vom DGB Bonn, aus einer Region mit wenig produzierendem Gewerbe, hinein in eine Region, deren „Herzstück die Industrie ist“, so Ingo Degenhardt. Das solle auch so bleiben. Die bisherigen Themenschwerpunkte, unter anderem die berufliche Bildung, gute Arbeit, die Arbeit der Zukunft und die Verkehrsinfrastruktur, hätten auch weiterhin Priorität.

Moderatorin und DGB- Gewerkschaftssekretärin Sandra Grimm fasste treffend zusammen, dass viele passende und rührende Worte gefunden worden seien. Das dürfte sich im anschließenden inoffiziellen Teil des Abends noch fortgesetzt haben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

DGB-Jahresempfang 2016

DGB-Jahresempfang 2016 DGB-Region Südwestfalen/SGrimm

DGB-Jahresempfang 2016

DGB-Jahresempfang 2016 DGB-Region Südwestfalen/SGrimm

DGB-Jahresempfang 2016

DGB-Jahresempfang 2016 DGB-Region Südwestfalen/SGrimm

DGB-Jahresempfang 2016

DGB-Jahresempfang 2016 DGB-Region Südwestfalen/SGrimm

DGB-Jahresempfang 2016

DGB-Jahresempfang 2016 DGB-Region Südwestfalen/SGrimm

Nach oben