Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 038/2016 - 07.11.2016

„Herz trifft Verstand“ - Die Familie Bejarano auf der Bühne mit der Microphone Mafia

Einen ganz besonderen Samstagabend erlebten etwa 150 junge Menschen in der Bluebox. Rap und Zeitzeugengespräch – kann das zusammen passen? Spätestens nach den ersten Takten, die die Holocaustüberlebende Esther Bejarano, ihr Sohn Joram Bejarano und der Kölner Hip-Hop-Musiker Kutlu Yurtseven gemeinsam performen, wird klar, dass es sich hier um ein einzigartiges musikalisches Projekt handelt: Jiddische Lieder treffen auf gesampelte Beats; deutsche, englische und türkische Rap-Passagen werden mit Gedichten und Zeitzeugenberichten verwoben. Es geht um Recht und Unrecht, um Mut und Solidarität; um Waffenexporte; um Neonazidemonstrationen und um die Verantwortung gegenüber geflüchteten Menschen, die in Deutschland Asyl suchen; um die aktuelle politische Lage in Europa und um die Geschichte einer außergewöhnlichen Frau.

Dem Konzert vorangegangen ist die Lesung aus Esther Bejaranos Biografie „Erinnerungen". Die Tochter des Kantors einer jüdischen Gemeinde, wurde als Jugendliche in das Zwangsarbeitslager Neuendorf gebracht. 1943 wurde sie nach Auschwitz, später in das KZ Ravensbrück deportiert. Überleben konnte sie, weil es ihr gelang, als Akkordeonspielerin in das Mädchenorchester des Konzentrationslagers aufgenommen zu werden „Ich habe gelogen. Ich konnte gar kein Akkordeon spielen" sagt sie. Besonders schwer sei für sie und die anderen Mädchen des Orchesters gewesen, anlässlich der Ankunft neuer Deportationszüge zu spielen: „Die Leute dachten sicher, wo die Musik spielt, kann es ja nicht so schlimm sein. Die wussten ja nicht, was sie erwartet." Esther Bejarano rüttelt auf. Ihre Entschlossenheit und ihr Lebenswille sind spürbar. Sie beeindruckt und reißt mit. „Esther betrachtet diese Auftritte als ihre Rache an den Nazis." erzählt Kutlu Yurtseven. Und so verwundert es nicht, dass am Samstagabend auch mitgesungen, geklatscht, getanzt und gelacht wird.

Organisiert wurde die Veranstaltung von der Gruppe „Siegen Nazifrei", die sich 2014 aus der Siegener Gewerkschaftsjugend und dem Jugendparlament der Stadt Siegen heraus gebildet hat. Schülerinnen

und Schüler des Jugendparlaments, junge Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter sowie weitere engagierte Jugendliche hatten das Gespräch seit Monaten gemeinsam geplant. Dabei wurden sie durch den Stadtjugendring und den DGB unterstützt. Als nächste Aktion haben sich die Jugendlichen die Organisation des „Konzerts gegen Rechts" vorgenommen. Am Abend des 16.12., dem Jahrestag der Bombardierung Siegens, möchte die Gruppe mit der Gewerkschaftsjugend ein lautes Zeichen gegen Diskriminierung und Neonazis setzen.

Die Veranstaltung wurde durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms Demokratie Leben! gefördert.

Zeitzeugengespräch in der BlueBox Siegen mit anschl. Konzert

Zeitzeugengespräch in der Bluebox Siegen mit anschl. Konzert DGB-Region Südwestfalen


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