Deutscher Gewerkschaftsbund

10.12.2020

Den Wandel gestalten

Dr. Johanna Wenckebach: „Arbeitszeit ist eine Machtfrage!“

Olpe. „Stark im Wandel, stark aus der Krise“ – so lautete der Titel einer hybriden Dialogveranstaltung, zu der die Kreisverbände des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Olpe, Siegen-Wittgenstein und Hochsauerlandkreis im Rahmen des DGB-Zukunftsdialogs geladen hatten. Dr. Johanna Wenckebach, wissenschaftliche Direktorin des Hugo Sinzheimer Instituts für Arbeitsrecht in der Hans-Böckler-Stiftung, befasste sich via Videoschaltung vor einigen wenigen Gästen in Räumlichkeiten der Olper Stadthalle mit der fortschreitenden Transformation der Arbeitswelt und ihren Auswirkungen. Der Vortrag wurde live auf die heimischen Rechner der Gewerkschaftsmitglieder übertragen, sodass diese sich direkt auf digitalem Wege mit Fragen und Anregungen an die Referentin wenden konnten.

„Gewerkschaftsarbeit funktioniert nicht ausschließlich digital. Wir brauchen den persönlichen und kollegialen Kontakt“, hob Ingo Degenhardt, Regionsgeschäftsführer DGB Südwestfalen, zu Beginn der Veranstaltung hervor. Dennoch müsse man sich in der aktuellen Situation Wege überlegen, wie man trotz der Kontaktbeschränkungen zusammenkommen könne. Genau dies solle mit der Hybridveranstaltung gelingen, die der Auftakt für eine ganze Reihe sein könnte. „Zwei Stunden, zwei Themen – das hier ist ein völlig neues Format“, betonte Degenhardt, bevor André Arenz, 1. Bevollmächtigter der IG Metall im Kreis Olpe, einige Erkenntnisse aus der aktuellen Beschäftigtenbefragung vorstellte. „Die Arbeitswelt ändert sich, das bekommt ihr alle mit“, so Arenz. Rund 70 Prozent der Befragten haben demnach erklärt, dass dies in ihrem Betrieb einen gewissen Qualifizierungsbedarf auslöse. Der Großteil wertete zudem den Vorschlag einer Vier-Tage-Woche positiv – und zwar selbst dann, wenn dies einen Entgeltverlust bedeuten würde. „54,1 Prozent der Befragten haben diese Frage mit ,trifft zu‘ oder ,trifft eher zu‘ beantwortet. Das ist erstaunlich!“, befand André Arenz.

„Beschäftigung sichern und Transformation gestalten“ sowie „Homeoffice: schöne neue Arbeitswelt?“ lauteten die Themen, zu denen schließlich Dr. Johanna Wenckebach sprach. „Die Transformation der Arbeitswelt ist ein wirklich großes Thema“, hob sie zu Beginn ihres Vortrags hervor. Die Transformation habe drei wesentliche Treiber: Digitalisierung, Globalisierung und Dekarbonisierung. „Alle waren schon vor Corona da, haben sich aber durch die Pandemie beschleunigt“, so die Referentin. Mit Gig Work, Agiler und Mobiler Arbeit nehme New Work weiter zu. Auch schreite die Digitalisierung mit Algorithmischem Management, Mensch-Roboter-Kooperationen und Künstlicher Intelligenz (KI) im HR-Bereich voran. „In den Industriebereichen verändert sich perspektivisch sehr viel. Machen Roboter irgendwann unsere Arbeit? Nein, das werden sie nicht, aber sie werden Teile der Arbeit übernehmen und diese insgesamt verändern.“ Dies wiederum werde Einfluss auch auf die soziale Gerechtigkeit in Deutschland haben. Umfragen der Hans-Böckler-Stiftung hätten gezeigt, dass die Pandemie die soziale Ungleichheit weiter verstärkt. „Das finde ich bedenklich. Es zeigt, wie groß der gewerkschaftliche Auftrag ist, aus der Krise herauszukommen.“ Bedroht seien insbesondere Menschen, die in prekären Beschäftigungsverhältnissen arbeiten. „Der Wandel wirft Verteilungsfragen auf: Wer macht eigentlich die Arbeit der Zukunft und unter welchen Bedingungen findet diese statt?“, gab die Referentin zu bedenken.

Überall da, wo es einen Betriebsrat gibt, fühlen sich die Menschen besser – und die Transformation gelingt besser. Auch dies haben Umfragen der Hans-Böckler-Stiftung ergeben. „Es ist zudem überall da besser, wo es einen Tarifvertrag gibt – insbesondere, aber nicht nur in der Krise“, erklärte Dr. Johanna Wenckebach. Umso besorgniserregender sei der Umstand, dass es mit der Tarifbindung in Westdeutschland „rapide bergab“ gehe.

Insgesamt machte sich Dr. Johanna Wenckebach für eine Neuregelung der Arbeitszeitmodelle stark. Über Arbeitszeitverkürzung könne man aber nur in Verbindung mit Tarifbindung sprechen. „Arbeitszeit ist ein Schlüsselthema und auch eine Frage der Geschlechtergerechtigkeit“, hob sie hervor. „Menschen brauchen andere Arbeitszeiten, weil das Leben nicht nur aus Arbeit bestehen soll, das Arbeitsleben immer länger und Arbeit durch Digitalisierung immer weiter verdichtet wird. Arbeit ohne Ende macht krank, fehleranfällig und ist nicht produktiv“, führte die Referentin aus. „Die Zahlen sind eindeutig: Es wird heftiger, anstrengender und schneller.“ Es gelte, einen Ausgleich zu schaffen, damit sich Menschen davon erholen könnten. Zudem müsse man Frauen mehr am Erwerbsleben teilhaben lassen – auch, um Altersarmut vorzubeugen. Erwerbstätige müssten sich weiterbilden, und zwar auch diejenigen, die bereits in Beschäftigung sind. „Weiterbildung hat in der Krise eine existenzielle Bedeutung bekommen“, hob Dr. Wenckebach hervor. „Arbeitszeit ist eine Machtfrage. Es geht nur solidarisch. Damit das gelingen kann, müssen wir Gewerkschaften und Betriebsräte stärken. Wandel gestalten geht nur mitbestimmt!“

Im zweiten Themenblock befasste sich die Referentin mit der Arbeit im Home Office. „In der Corona-Krise ist plötzlich etwas möglich geworden, von dem es früher immer hieß, es sei nicht möglich“, so Dr. Wenckebach in Anbetracht der hohen Anzahl von Beschäftigten, die inzwischen von zuhause aus arbeiten. Hier brauche es einen  Rechtsanspruch, der die Möglichkeit, im Home Office zu arbeiten, fest verbriefe, dabei aber auch die Wahl lasse, dies zu tun – oder eben nicht. Auch müssten Arbeits- und Pausenzeiten klar definiert werden. „Hier darf es keine Entgrenzung geben. Die Leute wollen auch zuhause Feierabend haben“, hob sie hervor. Die Zuhörer des Vortrags an den heimischen Bildschirmen sahen dies ähnlich: Die meisten Beschäftigten arbeiten im Home Office deutlich mehr, kam in einer Live-Umfrage heraus.

„Das Thema Home Office wird bleiben – auch nach Corona“, prognostizierte Marco Schmidt, Ressortleiter Angestellte, IT, Engineering beim Vorstand der IG Metall in Frankfurt am Main. Home Office werde damit „vom Privileg zum Massenphänomen“. Generell gelte hier allerdings das Motto: „Die Mischung macht’s! Viele Menschen wollen gar nicht ausschließlich im Home Office sein, sondern die Anbindung an den Betrieb nicht verlieren. Nehmt eure Kolleginnen und Kollegen im Betrieb bei diesem Thema mit – das ist das Beste, was wir tun können!“, appellierte Schmidt. Auch die Arbeit der Betriebsräte hat sich in Zeiten der Pandemie verändert. „Wie soll man zum Beispiel einen Warnstreik organisieren, wenn die Leute aus dem öffentlichen Dienst im Home Office sitzen“, gab Jürgen Weiskirch, Bezirksgeschäftsführer der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di in Südwestfalen, zu bedenken. „Gewerkschaftsarbeit lebt vom Persönlichen“, sagte Ingo Degenhardt. „Gewerkschaftsarbeit lebt auch von Emotionen, und die kommen digital nicht rüber“, fügte Dr. Johanna Wenckebach hinzu.

Mit dieser Veranstaltung, moderiert vom Olper DGB-Vorsitzenden André Arenz hat der DGB ein völlig neues Veranstaltungskonzept ausprobiert und das erfolgreich- „In der Spitze waren knapp 60 Teilnehmende online zugeschaltet. Das zeigt, dass wir interessante Themen in ein ansprechendes Format integriert haben“, so Ingo Degenhardt.
Weitere Dialogveranstaltungen im gleichen Format sollen folgen.

 

„Stark im Wandel, stark aus der Krise“ – so lautete der Titel einer hybriden Dialogveranstaltung, zu der die Kreisverbände des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Olpe, Siegen-Wittgenstein und Hochsauerlandkreis im Rahmen des DGB-Zukunftsdialogs geladen hatten.

„Stark im Wandel, stark aus der Krise“ – so lautete der Titel einer hybriden Dialogveranstaltung, zu der die Kreisverbände des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Olpe, Siegen-Wittgenstein und Hochsauerlandkreis im Rahmen des DGB-Zukunftsdialogs geladen hatten. DGB-Region Südwestfalen

 „Stark im Wandel, stark aus der Krise“ – so lautete der Titel einer hybriden Dialogveranstaltung, zu der die Kreisverbände des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Olpe, Siegen-Wittgenstein und Hochsauerlandkreis im Rahmen des DGB-Zukunftsdialogs geladen hatten.

„Stark im Wandel, stark aus der Krise“ – so lautete der Titel einer hybriden Dialogveranstaltung, zu der die Kreisverbände des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Olpe, Siegen-Wittgenstein und Hochsauerlandkreis im Rahmen des DGB-Zukunftsdialogs geladen hatten. S. Clemens/DGB-Region Südwestfalen

 „Stark im Wandel, stark aus der Krise“ – so lautete der Titel einer hybriden Dialogveranstaltung, zu der die Kreisverbände des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Olpe, Siegen-Wittgenstein und Hochsauerlandkreis im Rahmen des DGB-Zukunftsdialogs geladen hatten.

„Stark im Wandel, stark aus der Krise“ – so lautete der Titel einer hybriden Dialogveranstaltung, zu der die Kreisverbände des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Olpe, Siegen-Wittgenstein und Hochsauerlandkreis im Rahmen des DGB-Zukunftsdialogs geladen hatten. S. Clemens/DGB-Region Südwestfalen

 „Stark im Wandel, stark aus der Krise“ – so lautete der Titel einer hybriden Dialogveranstaltung, zu der die Kreisverbände des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Olpe, Siegen-Wittgenstein und Hochsauerlandkreis im Rahmen des DGB-Zukunftsdialogs geladen hatten.

„Stark im Wandel, stark aus der Krise“ – so lautete der Titel einer hybriden Dialogveranstaltung, zu der die Kreisverbände des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Olpe, Siegen-Wittgenstein und Hochsauerlandkreis im Rahmen des DGB-Zukunftsdialogs geladen hatten. S. Clemens/DGB-Region Südwestfalen

 „Stark im Wandel, stark aus der Krise“ – so lautete der Titel einer hybriden Dialogveranstaltung, zu der die Kreisverbände des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Olpe, Siegen-Wittgenstein und Hochsauerlandkreis im Rahmen des DGB-Zukunftsdialogs geladen hatten.

„Stark im Wandel, stark aus der Krise“ – so lautete der Titel einer hybriden Dialogveranstaltung, zu der die Kreisverbände des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Olpe, Siegen-Wittgenstein und Hochsauerlandkreis im Rahmen des DGB-Zukunftsdialogs geladen hatten. S. Clemens/DGB-Region Südwestfalen


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