Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 026/2019 - 07.10.2019

Direkte tarifvertragliche Ansprüche nur für Gewerkschaftsmitglieder

Erfolgreiche Stadtaktion des DGB

Siegen: Ingo Degenhardt, Vorsitzender des heimischen DGB, spricht von einer erfolgreichen Aktion anlässlich des bundesweiten Kampagnenauftaktes des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zum Thema Stärkung der Tarifbindung. „Wir wollten zu diesem wichtigen Thema mit den Menschen ins Gespräch kommen und auf die Bedeutung von Tarifverträgen für die Beschäftigten selbst und für die Festigung unseres Sozialstaates hinweisen, und das ist uns auch ganz gut gelungen“, sagt Degenhardt. Interessant waren für den Gewerkschafter auch mehrere Gespräche mit Unternehmern, die eine Firma gegründet haben und zuvor als Arbeitnehmer beschäftigt waren. „Sie haben einen ganz anderen Blick auf ihre jetzigen Mitarbeiter und wissen, wie gute Arbeitsbedingungen und ein ordentliches Gehalt aussehen müssen. Das nenne ich vorbildlich“, sagt Ingo Degenhardt.

Als Anziehungspunkt für die Passanten hatten die Gewerkschafter ein großes Becken aufgestellt aus dem sogenannte „Tarif-Fische“ geangelt werden konnten. Darauf standen jeweils Vorteile, wie: geregelte Arbeitszeit, faire Ausbildungsvergütung, 30 Tage Urlaub, Überstundenzuschläge, Weihnachts- und Urlaubsgeld. Alles Regelungen, die für Beschäftigte gelten, auf die ein Tarifvertrag Anwendung findet. Ein passender Slogan dazu war schnell gefunden: „fisch doch nicht im Trüben – angele Dir Deine Vorteile“.
„Viele Menschen mit denen wir gesprochen haben waren doch erstaunt über die Unterschiede zwischen gesetzlichen und tarifvertraglichen Regelungen. Im Gesetz ist ein Jahresurlaub von 24 Werktagen und eine Wochenarbeitszeit von bis zu 48 Stunden geregelt. Tarifvertraglich gibt es häufig bis zu 30 Tage Urlaub und die Arbeitszeit je nach Branche, beläuft sich zwischen 34 und 40 Wochenstunden“, berichtet Ingo Degenhardt. Einen gerichtlich durchsetzbaren Anspruch auf die tariflichen Leistungen haben nur diejenigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die Mitglied der Gewerkschaft sind.

Der DGB machte mit seiner Aktion auch auf die Auswirkungen von mangelnder Tarifbindung und Tarifflucht aufmerksam. „Für immer weniger Beschäftigte und Betriebe in Deutschland gilt ein Tarifvertrag. In NRW waren 2018 nur noch 60 Prozent der Beschäftigten in einem tarifgebundenen Unternehmen beschäftigt. Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer selbst, sondern auch für die Allgemeinheit – und das auf unterschiedlichen Ebenen“, so Degenhardt.
Durch Tarifflucht und Lohndumping entgehen den Sozialversicherungen jedes Jahr rund 24,8 Milliarden Euro Beiträge. Bund, Länder und Kommunen fehlen 14,9 Milliarden Steuereinnahmen. Degenhardt: „Das sind zusammen rund 40 Milliarden Euro. Hinzu kommt, dass ohne Tarifvertrag der arbeitende Teil unserer Bevölkerung weniger Geld in der Tasche hat, das er ausgeben kann. Und das hat Einfluss auf die Wirtschaft und auf die Konjunktur. Wären alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer tarifgebunden, würde sich die Kaufkraft Jahr für Jahr um 35 Milliarden Euro erhöhen. Viele Unternehmen müssen sich hier schon zu ihrer sozialen Verantwortung fragen lassen.“ Grundlage für diese DGB-Berechnungen ist die letzte Verdienststrukturerhebung des Statistischen Bundesamtes

Im Rahmen seiner Kampagne zur Stärkung der Tarifbindung will sich der DGB vor Ort als nächstes bei den Kommunen über das Thema Tariftreue bei der Vergabe öffentlicher Aufträge informieren.

 

 

Erfolgreiche Stadtaktion des DGB

Erfolgreiche Stadtaktion des DGB DGB-Region Südwestfalen/DGB-Kreisverband Si.-Wi.

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