Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 008/2019 - 22.03.2019

Aktionstag zu bezahlbarem Wohnraum in Siegen

DGB: „Wohnen darf nicht zum Luxus werden“

In vielen Regionen Deutschlands können sich Normalverdiener kaum noch eine bezahlbare Wohnung leisten. Um auf die Missstände am Wohnungsmarkt aufmerksam zu machen, veranstaltet der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) unter dem Motto „Bezahlbar ist die halbe Miete“ Aktionswochen vom 25. März bis zum 9. April.

In Siegen sind Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter am Mittwoch, 27. März, 13:00 Uhr – 16:00 Uhr mit einem mobilen Wohnzimmer auf dem Kornmarkt (neben dem Wochenmarkt) präsent. Neben der Verteilung von Informationsmaterialien wollen die Arbeitnehmervertreter mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch kommen. Sozialdezernent, André Schmidt wird ab 15:00 Uhr vor Ort sein, um sich mit den Veranstaltern und den Bürgerinnen und Bürgern auszutauschen und mit ihnen zu diskutieren.

Immer mehr Beschäftigte finden keine geeignete und bezahlbare Wohnung in der Nähe ihres Arbeitsplatzes, analysiert der DGB. Das liegt vor allem an den rasant steigenden Mieten in vielen Städten und Gemeinden. Betroffen sind dabei nicht nur Metropolen wie Hamburg, Berlin oder München.

„Auch in Siegen darf Wohnen nicht zum Luxus werden“, erklärt Siegens DGB-Vorsitzender, Ingo Degenhardt. Bundesweit fehlen in deutschen Großstädten rund 1,9 Millionen Wohnungen.
Allein in der Universitätsstadt Siegen fehlen 4.665 bezahlbare Wohnungen. Das hat eine Untersuchung von empirica-systeme ergeben. Als bezahlbare Wohnung gilt im Allgemeinen, wenn nicht mehr als 30 Prozent des Haushalts-Einkommens für die Miete ausgeben werden muss.

„Es ist schon ein untragbarer Zustand, dass sich auch Normalverdiener Wohnen kaum mehr leisten können“, sagt Siegens DGB-Vorsitzender, Ingo Degenhardt und erklärt weiter: „Die von den Gewerkschaften ausgehandelten Lohnsteigerungen werden von steigenden Mieten förmlich aufgesogen. Das ist ein Unding! Familien sind zunehmend gezwungen, aufs Land zu ziehen und müssen somit jeden Tag weite Strecken zur Arbeit pendeln“.

Der DGB findet die Entwicklung bei den Mieten skandalös.
Von 2014 bis 2018 sind in Siegen die Kalt-Mieten vom 6,40 Euro auf 7,08 Euro je Quadratmeter gestiegen. Das entspricht einer Steigerung um 10,6 Prozent. „Auch Verkäuferinnen, Polizisten, Pflegekräfte und Busfahrer müssen es sich leisten können, in unserer Stadt zu wohnen. Hinzu kommen die vielen Studierenden, die wir hier sehr willkommen heißen. Wohnen ist Menschrecht und darf nicht zum Luxusgut werden!“, erklärt Ingo Degenhardt.

Der DGB appelliert an die Politik, umgehend zu handeln: „Der Markt allein wird die Wohnungsproblematik nicht lösen. Wenn private Investoren bauen, dann meist im hochpreisigen Segment. Gebraucht wird jedoch deutlich mehr bezahlbarer Wohnraum – auch für die vielen dringend benötigten Fachkräfte von denen ständig die Rede ist. Das bedeutet auch sozialer Wohnungsbau.“

Wie in anderen Großstädten, trifft es auch in Siegen besonders die unteren Einkommensgruppen: Rund 19 Prozent der Siegener Haushalte befinden sich unter der Armutsgrenze. Ihr Haushaltseinkommen beträgt weniger als 60 Prozent des Bundesmedianeinkommens. „Diese Haushalte sind mit einer enormen Mietbelastung konfrontiert. Durchschnittlich müssen sie die Hälfte ihres Nettoeinkommens für die Bruttowarm-Miete aufwenden“, so Degenhardt.
In der sozialpolitischen Debatte wird die Grenze der Leistbarkeit bei 30 Prozent verortet: „Wer mehr als 30 Prozent seines Nettoeinkommens für Miet- und Nebenkosten aufwenden muss, wird langfristig Schwierigkeiten haben, Rücklagen zu bilden oder größere Anschaffungen zu finanzieren“, stellt Degenhardt fest. Und weiter: „In Siegen trifft dies auf nahezu jeden dritten Mieter-Haushalt (32,2 Prozent) zu. Die Situation ist angespannt!“

Laut des Wohnungsmarktberichtes der NRW-Bank müssten in Nordrhein-Westfalen jährlich 80.000 neue Wohnungen gebaut werden, um den Bedarf zu decken. Derzeit werden allerdings nur rund 48.000 neue Wohnungen jährlich fertiggestellt. Und auch der schrumpfende Bestand von Sozialwohnungen wird nicht annähernd kompensiert. „Bund, Land und Kommunen müssen Hand in Hand gehen und endlich die Wende in der Wohnungsbaupolitik einläuten“, kommentiert Degenhardt.

Der DGB sieht Land und Kommunen in der Verantwortung, für mehr bezahlbaren Wohnraum zu sorgen: Die dramatische Entwicklung zeige, dass Privat vor Staat ausgedient hat. Um die Lage zu verbessern, sollten städtische Grundstücke nicht länger nach dem Höchstbieter-Prinzip angeboten werden, sondern vorzugsweise an gemeinwohlorientierte Wohnungsbauunternehmen gehen. „Die Landesregierung ist hier gefordert, endlich Geld im Landeshaushalt für mehr bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen und eine landeseigene Wohnungsbaugesellschaft zu gründen“, so Degenhardt.

 

Der DGB unterstützt zudem das Bündnis „Wir wollen wohnen“ und ruft dazu auf, sich an der Unterschriftenkampagne für mehr bezahlbaren Wohnraum zu beteiligen:

https://weact.campact.de/petitions/wir-wollen-wohnen

 

 

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